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Vom Pakt mit dem Teufel 

Über den Hexenwahn, der im 17. Jahrhundert grassierte, erzählen Sabine Lühning und Karin Köster auf ihren Spaziergängen in der Festspielzeit. Außerdem blicken sie hinter die Kulissen des Freiluft-Theaters.

Von Von Jörn Dirk Zweibrock 

Die 15-jährige Margarethe Sievers ist die Protagonistin der diesjährigen Domfestspiele. Mit der Premiere von "Die rebellische Hexe" an diesem Freitag, 29. Juli, startet die Freiluft-Theatersaison am Dom. Auf die Spuren der vermeintlichen Hexe begeben sich auch die Verdener Stadtführerinnen Sabine Lühning und Karin Köster und bieten in der Festspielzeit verschiedene historische Spaziergänge an. Es sind noch Karten für die Rundgänge erhältlich. 

Die Führungen richten sich nicht nur an Menschen, die sich im Anschluss die Aufführungen auf dem Domplatz anschauen wollen, sondern auch an jene, die fernab der Festspiele einfach ein wenig in die Stadtgeschichte eintauchen wollen.  

Treffpunkt für die Tour „Hexenwahn in Verden“ ist der Lugenstein, im Volksmund auch gerne "Mückenschiss" genannt. Die Führungen sind für Freitag, 29. Juli, Dienstag, 2. August, Sonnabend, 6. August, Mittwoch, 10. August, Freitag, 12. August sowie Sonnabend, 13. August, terminiert. Sie beginnen jeweils um 17 Uhr. Die Teilnahme kostet neun Euro pro Person. 

Daneben gewährt das Duo Interessierten auch wieder einen anderthalbstündigen Blick hinter die Kulissen der Festspiele. Dabei erhalten sie jeweils ab 16 Uhr Einblicke in die Welt der Kostüme, Requisiten, Maske, Licht- und Tontechnik. Treff- und Ausgangspunkt dieser Touren ist ebenfalls der Lugenstein. Die Rundgänge finden am Sonnabend, 30. Juli, Freitag, 5. August, und Freitag, 12. August, statt. Ein Ticket kostet 15 Euro. Die Karten sind in der Tourist-Information im Verdener Rathaus erhältlich.

Frauenhass und Intrigen

Natürlich spazieren die Stadtführerinnen bei der Tour "Hexenwahn in Verden" mit den Teilnehmenden auch durch das Verdener Fischerviertel, dem Wohnort von Margarethe Sievers. Sie entstammte einem Steinmetz-Haushalt, lebte dort mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter. Ihr eigener Vater hatte das Mädchen als Hexe angezeigt und so die Weichen für ihr tragisches Schicksal gestellt.

Das Stück "Die rebellische Hexe" handelt also von Frauenhass, Intrigen und Macht, Kirche, Bürgertum und Adel und spielt im Jahre 1616 zwischen Irrationalität und Vernunft. Geschichtsinteressierte wissen, dass Verden im 17. Jahrhundert noch streng in Norder- und Süderstadt unterteilt war. Ebenso wie der Hexenglaube grassierte damals auch die Pest. "Dass der schwarze Tod von einem Bakterium ausgelöst wurde, das die zahlreichen Ratten und Flöhe in der Stadt verbreiteten, ahnte allerdings noch niemand", erzählen die Stadtführerinnen. Alles in allem seien die Menschen im 17. Jahrhundert natürlich noch nicht so aufgeklärt gewesen wie heute. 

Die Anfälle der 15-jährigen Margarethe Sievers, vermutlich epileptischer Natur, führten die Menschen auf ihren Pakt mit dem Teufel zurück. „Der Hexenglauben war damals sehr verbreitet“, erzählt Lühning. Immer wieder sei das Mädchen in den Dom gezerrt worden, um ihr das vermeintlich Teuflische auszutreiben. „Die Verdenerinnen und Verdener konnten sich viele Dinge einfach nicht erklären“, sagen die Stadtführerinnen. Daher sei es üblich gewesen, Unglücke auf den Teufel oder das Hexenwerk zu schieben.

Vor über einer Dekade haben sich die beiden Verdenerinnen zu Stadtführerinnen ausbilden lassen. 2017 haben sie ihre Gäste während der Domfestspiele ("Der brennende Möch") in die Reformationszeit entführt und ihnen die Lebensgeschichte von Johann Bornemacher erzählt. "Er wurde am Lugenstein zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt“, wissen die beiden Frauen. Ebenda, an dieser ehemaligen Richtstätte, beginnen nun fünf Jahre später auch ihre neuen Stadtführungen anlässlich der Domfestspiele.