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 Spiel auf drei Ebenen 

Die Kulisse für die Domfestspiele steht. Künstler Henning Diers feiert in diesem Jahr Premiere als Bühnenbauer. 

Die Zahl kann sich sehen lassen: Rund 250 Quadratmeter bemalte Kulisse hat Henning Diers in den vergangenen Wochen in seinem Atelier in Mehringen bei Hoya angefertigt. Und das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen – das finden auch die vielen Zaungucker, die durch den durchsichtigen Bauzaun spähen und Diers dabei beobachten, wie er den Verdener Domplatz langsam aber sicher in eine Stadt aus dem Jahre 1616 verwandelt. Die Passanten genießen es, dass Diers sie auf eine visuelle architektonische Zeitreise mitnimmt.

Seit einigen Tagen baut Henning Diers nun schon das Bühnenbild für die Verdener Domfestspiele gemeinsam mit seinem Helfer-Team vor dem Gotteshaus auf. Moritz Bölter aus Verden hat sich für den Aufbau extra zweieinhalb Wochen frei genommen. Er ist bereits seit 2014 Teil der großen Domi-Familie. "Die rebellische Hexe" ist also seine insgesamt dritte Produktion. "Für mich ist das hier wie Urlaub", erzählt der IT-Berater und greift zur Bohrmaschine. Er liebe es einfach, sich handwerklich und kreativ auszutoben und hinterher das, was er mit seinen Händen geschaffen habe, in Augenschein nehmen zu können. Bühnenbauer Henning Diers findet es toll, wie gewissenhaft ihm seine ehrenamtlichen Helfer zur Hand gehen, ohne die Jungs würde es einfach nicht gehen. Schließlich müsse die Bühne ja bis zum Probenbeginn in der nächsten Woche vollständig – bis auf einige Feinschliffe – bespielbar sein. Bis dahin müssen beispielsweise alle Türen auf und zu gehen.

Das Besondere an der Festspiel-Bühne: Sie besteht gleich aus drei Ebenen – Laubengang, Häuserfront und zweite Etage. "Aus dem oberen Fenster der Bischofsresidenz singt Christiane Artisi bei den Vorstellungen eine Arie", verrät Diers. Zentrales Element ist also der Bischofssitz, links davon schließt sich der reichere Teil der Stadt mit dem Haus des Dompredigers und dem der Familie Friese an, während sich rechtsseitig der ärmere Teil mit dem Kerker und dem Haus der Steinmetz-Familie Sievers befindet. 

Nachhaltige Konstruktion

Die Kulisse besteht aus rund 110 Einzelteilen. Diers hat sie mit seinem Hänger von Mehringen nach Verden gekarrt. "Bei der Herstellung habe ich darauf geachtet, dass sie nicht zu sperrig werden und sich noch gut transportieren lassen", erzählt der gelernte Raumausstatter, der inzwischen hauptberuflich als Künstler tätig ist. Die Erfahrung, dass es oftmals anders kommt als gedacht, musste auch der Bühnenbauer gerade wieder machen. Der Prüfstatiker, der unter anderem darauf achtet, dass die Kulisse sturmfest ist, hat ihm die Auflage gemacht, das Gerüst als Gegengewicht mit einigen Bassins zu versehen. "Eigentlich waren an dieser Stelle Durchgänge geplant", verrät der Kreative aus der Grafschaft Hoya. Vom Haken für die Kleinrequisiten bis zum Fluchtweg für die Darsteller – Diers weiß, was bei so einer großen Produktion alles zu bedenken ist. 

Weil das Publikum die Szenerie schnell erfassen solle, sei er auch kein Freund von leeren, minimalistisch ausgestatteten Bühnen. "Die Bühne ist die Bühne und trägt das Stück und die Schauspieler", betont Diers. Im Fall der Verdener Domfestspiele misst sie rund 35 mal sieben Meter. 

Allmählich verwandelt sich der Verdener Domplatz in einen Festspielplatz. Die Gastro-Zelte und die überdachte Zuschauertribüne stehen bereits. Für Anfang kommender Woche haben sich die Veranstaltungstechniker angesagt. Dort, wo derzeit noch Stiele in den Verdener Himmel ragen, werden bald riesige Scheinwerfer die von Henning Diers mit viel Liebe zum Detail gestaltete Bühne ins rechte Licht rücken. 

Diers, der bei den Festspielen Premiere als Bühnenbauer feiert, ist froh, dass er sich nicht nur handwerklich, sondern auch inhaltlich in die Produktion einbringen durfte. Autor und Regisseur Hans König, der sich für "Die rebellische Hexe" von einer tatsächlichen Begebenheit inspirieren ließ, kennt Diers noch aus alten Bremer WG-Zeiten. 

Nach dem Ende der diesjährigen Festspielsaison wird das Bühnenbild dann wieder in seine Einzelteile zerlegt und eingelagert. "Ich habe extra nichts miteinander verleimt, sodass wir vor den nächsten Festspielen schauen können, welche Kulissenteile wir wieder verwenden können", erläutert der Bühnenbauer und ergänzt: "Ich denke, das Publikum verzeiht es uns, wenn wir diesbezüglich nachhaltig denken."

Eintrittskarten für die Verdener Domfestspiele vom 29. Juli bis zum 13. August sind bei den VERDENER NACHRICHTEN, Große Straße 132, im Bremer Pressehaus sowie allen regionalen Geschäftsstellen des WESER-KURIER erhältlich.